Ziegenhirten in Äthiopien

Trekking im Semien-Gebirge Äthiopiens | Niemals vergessen

Atemberaubende Aussichten, der vierthöchste Berg Afrikas (4533 m) und eine einmalige Pflanzen- und Tierwelt machen das Trekking in den Semien-Bergen Äthiopiens zu einem unvergesslichen Erlebnis. Mit etwas Glück bekommt man die Abessinische Steinböcke und die markanten Blutbrustpaviane zu Gesicht.

Niemals vergessen

Lenard und Fabien aber wollen mehr. Ihr Ziel ist es am Ende der geführten Wanderung, außerhalb des Parks ein Afrika zu erkunden, wie es noch ganz natürlich ist. Hier gibt es keinen Strom, kein Auto und vor allem keine Touristen. Statt dessen bewegt man sich auf einsamen Pfaden, begegnet ab und an Menschen die ihre Waren auf Maultieren transportieren und in einfachen Lehmhütten wohnen. Ziegenhirten in Schaffelle eingewickelt und erstaunte Kinder schauen einen wie ein Kunstwerk an. Die Kinder sehen gerade, das erste mal in ihrem Leben, eine Weißen.

Am Abend kommen die zwei müden Wanderer an Lehmhütten vorbei. Mit Händen und Füßen geben sie zu verstehen, dass sie einen Schlafplatz benötigen. Das ist einfacher als erwartet und so übernachten sie mit einer fünfköfpigen Familie und Kühen gemeinsam in einer Hütte. Die Gastfreundschaft der Menschen ist beispiellos. Äthiopisches Injera und Bier wird ihnen geboten und erleichtert strecken sie auf einem Strohlager die Füße lang.

Doch keine fünf Minuten später werden sie von dem Geräusch der wiederkäuenden Kühe und von beißenden Flöhen gestört. Und als sei dies nicht schon genug, kräht morgens um 4 Uhr bereits der Hahn. Nicht einmal dies reicht, denn der Hahn kräht direkt neben Lenards Ohr. Als er ihn mit einer Handbewegung verscheucht landet eine Staubwolke direkt auf seinem Gesicht. Dieses Erlebnis wird Lenard niemals vergessen.

Semien-Gebirge Äthiopien

Der krähende Hahn an Karfreitag

Neulich sitze ich in einem Karfreitag-Gottesdienst. Der Pfarrer berichtet von Petrus, einem der Jünger von Jesus, dass er mit ihm beim Abendessen sitzt und dieser voraus sagt, dass er ihn verlassen wird. Petrus aber, den eine sehr besondere Freundschaft mit Jesus verbindet, kann dies nicht glauben. Da sagt ihm Jesus: "Noch ehe der Hahn kräht wirst du dreimal leugnen mich zu kennen." Da musste ich an das Erlebnis von Lenard denken und dachte: "Der Petrus wird schon gewusst haben wann ein Hahn kräht. Das ist viel zu früh, gerade einmal in acht Stunden soll das eintreffen? Das muss ja lächerlich in seinen Ohren geklungen haben?"

Aber es kommt, wie es kommen muss. Direkt nach dem dritten Leugnen kräht der Hahn. Nun war es Petrus nicht mehr zum Lachen, sondern zum Weinen zu Mute. Auch Petrus wird den krähenden Hahn niemals vergessen.

Kinder in Äthiopien

Unverzeihbare Fehler

Ein Freund erzählte mir die tragische Geschichte eines Schrankenwärters, der die Schranken eines Bahnübergangs kontrollierte. Eines Tages wollte ein Rangierwagen passieren und er ließ ihn warten bis der nächste Personenzug aus der anderen Richtung käme, damit die Schranke nur einmal geschlossen werden musste. Der Rangierwagen passierte, ein unachtsamer Moment und schon war es passiert. Er hatte auf die AUF-Taste der Schranke gedrückt, obwohl der Personenzug noch nicht passiert hatte. Noch ehe die Schranken ganz offen waren und man sie wieder schließen konnte, fuhren die ersten Autos über den Bahnübergang. Als das dritte Auto über den Bahnübergang fuhr, wurde es von dem Personenzug nahezu ungebremst mitgenommen. In ihm starben zwei Familienmitglieder, die eine Witwe zurückließen.

Es gibt im Leben scheinbar unverzeihbare Fehler. Diese sind nicht immer so tragisch, aber niemand ist davor sicher. Sie geschehen, obwohl sie eigentlich nicht passieren dürften. Interessanterweise wird Petrus sein Versagen schon vorher prophezeit, so kurz vorher, dass es eigentlich nicht hätte passieren dürfen. Und dann kommt dieser Moment der bitteren Wahrheit, der Moment, in dem der Hahn kräht. Kennst du diesen Moment bei dir?

Noch interessanter an der Geschichte ist, das mit der Prophezeiung, Petrus noch ein Rat mitgegeben wird. Es dauert etliche Tage bis Petrus mit dem Verrat an seinem besten Freund fertig wird und er in der Lage ist sich selber zu vergeben. Aber eines wird er nie vergessen: Andere Menschen zu trösten, die in eine ähnliche Situation kommen.

D. Supper 18.04.2016

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